Robert Streibel

“Ich will die Sonne sehen”

Der Dokumentarfilm “Ich will die Sonne sehen” zum Buch “Bora” von Gerhard Pazderka und Robert Streibel.
Auf den Spuren der Geschichte von Louis Mahrer in Österreich und Serbien.(18:35 min)

Lesung aus dem Buch “Bora” an den Schauplätzen.
Provisorisches Wehrmachtsgefängnis in Vrnjačka Banja
Bahnhof in Kraljevo
Gedenkstätte für das Massaker in Kraljevo
Bahnhof in Trstenik
Möglicher Erschießungsort von Gerhard Chmiel in Vrnjačka Banja

Interviews mit: Wolfgang Mahrer, Eva Richter-Mahrer, Erich Hackl, Vojkan Trifunovic, Dragan Draskovic

Sprecher: Stefan Fleming, Musik: Wolfgang Seligo.
Rückfragen für Lesung: r.streibel@utanet.at

Die Recherche wurde aus MItteln des Österreichischen Nationalfonds unterstützt.


Bürgermeister Dr. Reinhard Resch eröffnet

Louis Mahrer: Ein Vorbild für uns Alle!
Bürgermeister Dr. Reinhard Resch, 28.4.2017
Galerie Kultur Mitte in Krems

Danke; dass ich heute als Bgm eröffnen darf. Was eröffnen?

Eine Präsentation mit Lesung  „70 Jahre nach Erstausgabe Louis Mahrer´s „BORA, mit Ausstellung & die Premiere: „Ich will die Sonne sehn“ – von Gerhard Pazderka“.

Klingt nach viel & lang, – ich werde mich auch selbst nicht kurz halten -; es wird intensiver, hochpolitischer Abend, ein zutiefst menschlicher Abend.

Als Bgm nehme ich Eröffnungen nicht leicht; noch dazu, wenn GR Kollege Mag. Wolfgang Mahrer, Sohn des Protagonisten– mich eingeladen hat; –

und die Erzählung BORA & Louis Mahrer ad personam von Dr. Robert Streibel mit einer großartigen Rezeption gewürdigt wurde. Also eine Herausforderung!

Wie habe ich mich genähert? Habe die Einladung genau gelesen, dann die Erzählung BORA, dann mit Menschen gesprochen, die Dr. Mahrer persönlich kannten; – als Lehrer, als Senior-Kollegen.

Und dabei bin ich bei der offiziellen Einladung gleich „hängengeblieben“, beim Wort „Widerstandskämpfer“. Dabei entstehen Bilder in meinem Kopf, Bilder von Guerilla, von Partisanenkampf, Freiheitskampf u.ä; – ich bin dabei zum persönlichen Schluss gekommen: Die Wort-Betonung liegt bei Louis Mahrer auf der ersten Silbe, bei „Widerstand“; nicht bei Kampf! Bei einem zutiefst ethisch motivierten Widerstand gegen das NS-Regime.

In der Erzählung BORA machen ja Alfred Kroneck (alter Ego von Louis Mahrer) und Gerhard Schmiel in einer Funk“aufklärungs“kompanie ihren Dienst. Da kam mir der Gedanke, dass ich mich der 4 Kant´schen Fragen bediene: – Immanuel Kant ist ja der größte „Aufklärer“ der Menschheitsgeschichte; – bediene mit Bezug zur Gegenwart, mit Bezug zu „heute“.

Die Kant´schen Fragen: Was kann ich wissen? – „Erkenntnis“. Was soll ich tun? – „Ethik“. Was darf ich hoffen? – „Religionsphilosophie“. Was ist der Mensch? – „Anthropologie“.

Was kann ich wissen?

  • In NS Ära glaubhaft, für mich nachvollziehbar, dass Viele „nicht wussten“, was im „Reich“ im nicht offiziellen Teil und im Konkreten passierte; oft sogar in unmittelbaren Umgebung;
  • Heute? Gibt es so viel an Wissen, & das so rasch, dass wir es gar nicht mehr „Behirnen“ können; dass wir gar nicht mehr in der Lage sind „echtes“ Wissen von Fake-News sicher zu unterscheiden.
  • Heute ist es offensichtlich: die Welt, Europa, auch Österreich; – WIR sind mitten drin, die Demokratie – wie sie uns bekannt ist – in Frage zu stellen; zu unterminieren, die Grundwerte einer Gesellschaft in Frage zu stellen, – dazu braucht es Feindbilder; wir sind dabei diese systematisch generieren; wir sind mitten drin unsere Gesellschaft zu spalten; – sie ist es schon!
  • Heute? „Nicht wissen“ ist heute kein glaubhaftes Argument!

Was soll ich tun?

Alois Mahrer hat es uns gezeigt. Hat Mut gezeigt. Wusste, was er zu tun hat.

  • Auch heute sollten wir wissen, was wir zu tun haben! Es ist ein Auftrag, Der Auftrag lautet: „Verantwortung“ übernehmen – jeder persönlich – in der Arbeit für den Erhalt von Frieden & Freiheit!“
  • Das heißt auch: Nicht „Wegschauen, Weghören“, nicht „neutral“ sein, nicht unwidersprochen lassen, wenn es um fundamentale Verletzungen von Grundfreiheiten & Menschenrechte geht!

 

Was darf ich hoffen?                        … sehr frei:

  • Wenn wir das alles tun, ist es meine, eine Hoffnung: Dass dies auch der jungen Generation, unseren Kindern auf ihrem Weg eine Richtschnur sein wird, – und ist. Wir sollten die Jugend stärken; – in ihrem Idealismus, in ihrer Offenheit & in ihrer Toleranz

 

Was ist der Mensch?    Wer ist der Mensch Dr. Mahrer?

  • Habe mit drei ehemaligen Schülern und eine „Jungkollegin“ – StR Mag. Anna Wegl ist am Tage seines (letztlich tödlichen) Herzinfarktes mit ihm gemeinsam zur Schule gegangen.
  • Die Wortspenden:

„Er unterrichtete Deutsch und Französisch; als Lehrer war Dr.Mahrer eine hoch geschätzte Persönlichkeit; er war besonnen, sanftmütig, ein (+) Mensch; ein wahrer Humanist; seine Frau war als Kommunistin aktiv; – er selbst in der Schule & auch „im freien, außerschulischen  Bereich/Umgang“ unpolitisch, er habe nie über den Krieg gesprochen; habe auch nie Kriegs-Erlebnisse erwähnt, er war „Pazifist“, und habe das friedliches Zusammenleben in den Mittelpunkt gestellt, war eine „tolle Persönlichkeit“.

ALLE Befragten gleichlautend: Wir haben gelernt für´s Leben!

 

  • Mahrer war MENSCH im besten Sinne!“
  • Er ist Vorbild für uns Alle!

Bora: Widerstand in der Wehrmacht

“Ein Schlüsselwerk der antifaschistischen Literatur”
urteilt der Schriftsteller Erich Hackl in seiner Rezension in der “Presse” am 22. April 2017.

Dokumentarfilm “Ich will die Sonne sehen” über “Bora” von Gerhard Pazderka und Robert Streibel

Die Erzählung “BORA” von Louis Mahrer (Herausgegeben und mit einem historischen Kommentar von Robert Streibel) schildert den Widerstandskampf von zwei Wehrmachtssoldaten in Serbien 1943/1944. Diese Erzählung ist ein Novum der österreichischen Nachkriegsliteratur, da hier im Jahr 1946/47 zum ersten Mal der Widerstand von Österreichern gegen das NS Regime in den Reihen der Wehrmacht am Balkan und das brutale Vorgehen gegen die Partisanen und die Bevölkerung dargestellt wird.

Link zur Buchbestellung

Lesung aus dem Buch von Stefan Fleming

Eröffnungsrede Bgm. Dr. Reinhard Resch

Mitschnitt der Eröffnung in der Galerie Kultur Mitte

Der Schüler Peter Donner erinnert sich an Louis Mahrer

Das Wertvollste meiner Jugendzeit. Christa Gierer erinnert sich an den Lehrer Louis Mahrer.

Präsentation der serbischen Übersetzung

 


Alfred Monz im Lastkahn nach Passau

Alfred Monz R1-10-11Alfred Monz

Im Urteil des OLG Wien vom 5.2.1943 gegen Richard Kolar und andere wegen Hochverrat hat sich Alfred Monz wegen Vorbereitung zum Hochverrat schuldig gemacht durch Zahlung von Beiträgen für kommunistische Parteizwecke und Teilnahme an kommunistischen Versammlungen und einem Schulungsvortrag und Weitergabe von kommunistischen Flugschriften. Er wird dafür zu 9 Jahren Zuchthaus und 9 Jahren Ehrverlust verurteilt.

Alfred Monz  überlebt das Massaker und ist bei den Hunderten Häftlingen, die auf einem Lastkahn Richtung Passau verbracht werden.


386 – Stein am 6. April 1945

386Publikation von Robret Streibel und Gerald Buchas
aus dem Jahr 1995 aus Anlaß des 50. Jahrestages
des Massakers im Zuchthaus Stein.

Aus dem Inhalt
Aktion ,,386″ – ein Beitrag zu einer anderen Gedenkkultur
Gedenkaktion ,,386″ – Chronik und Texte
April in Stein: Ein ,,Journal Panorama”, gestaltet von Herbert Schaden
,,lch erzähle eine Ceschichte, die nicht meine ist”. Gespräch mit den Schauspielerlnnen
Kein Gedenken hinter Mauern – Nachbemerkung

Die Broschüre


Die letzte Totenehrung für Hitler am 6. Mai in Krems

Der Kampf_StreibelDas KZ Mauthausen war schon befreit, die Staatsregierung in Wien hatte bereits die Arbeit aufgenommen und in Krems ehrt die NSDAP Adolf Hitler am 6. Mai 1945. Die Trauerrede hielt Gauleiter Dr. Hugo Jury. Am Morgen des 8. Mai erscheint noch ein Artikel in der Zeitung “Der Kampf”. Um Mittag kapituliert die Deutsche Wehrmacht. Unglaublich. Mehr dazu heute in meinem Artikel in der Zeitung Die ZEIT 7. Mai 2015 “Der letzte Akt”

Die Ehrung fand beim Sappeur Denkmal im Stadtpark statt. Der Link zu diesem unglaublichen Dokument.


Lesen und überleben in Stein

Siegfried Köhl R1-14-15Siegfried Köhl ist 1913 geboren und arbeitete als Student bereits 1938 illegal für die KPÖ. Nach den Verhören durch die Gestapo auf dem Morzinplatz und der Elisabethpromenda wurde er in Berlin vom Volkgericht im Mai 1941 zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Er kam ins Zuchthaus Stein und arbeitete in der Bürstenbinderei. Er beschreibt seine Lektüre-Erfahrungen in Stein.

Während des Massakers versteckt er sich in einem Fass, überlebt das Morden und bleibt bis zur Befreiung im Keller des Zuchthauses.

“Und am 9., in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai ist der – ich bin an der Wand gelegen in einem Bett, hat mir auf die Hand geklopft der, der auf anderen Seite: “Wach auf!” dann höre ich jenseits der Donau mit Lautsprechern arbeiten, net wahr? “Soldaten, Offiziere, Unteroffiziere kapituliert! Waffen niederlegen. Weiterer Waffengebrauch ist strafbar. Der Krieg ist beendet.”

 

Interview mit Siegfried Köhl durch Robert Streibel, Schnitt des Tonbandinterviews durch Adelheid Seeberger im Rahmen eines Praktikums des JBBZ im März 2015.

 

 


Gerasimos Garnelis

Garnelis 1_Stein AusstellungGerasimos Garnelis ist einer von fast 400 Griechen, die im Zuchthaus Stein festgehalten werden. Er überlebt das Massaker auf dem Leichenhaufen. Schwer verwundet wartet er mit einigen Leidensgenossen schwer verwundet im Keller auf die Befreiung am 8. Mai. Einer, der mit ihm im Keller ausharrt, ist der Berliner Max Hoffmann.
Durch den Bürgerkrieg konnte er nicht in seine Heimat zurückkehren und lebt bis zu seinem Tod 1999 in Krems.

Am 12. April 2015 wird eine Gasse, die von der Justizanstalt zur Ringstraße führt nach ihm benannt.

 


Max Hoffmann

Max Hoffmann 4 R1-05-6Der Berliner Häftling Max Hoffmann erinnert sich an das Massaker im Zuchthaus Stein
am 6. April 1945.

“Auch ich kam mit 9 (neun) Schüssen auf den Leichenhaufen. Unterdessen wüteten die Mordbestien der SS weiter. Was sie noch lebend fanden, wurde von ihnen erschossen. Sie waren wie Raubtiere, die Blut gerochen hatten. Trotz des Befehles zum Feuereinstellen, machten sie noch Jagd auf Menschen, solange sie noch einen fanden. Dann erschossen sie die Häftlinge, die die Leichen zusammengetragen hatten.”

Das Interview führte Robert Streibel im September 1985.