Die verschollene Kunstsammlung


Josef Oser galt als der reichste Mann von Krems. Neben dem Kohlenhandel besaß er auch Grundstücke entlang der neugebauten Ringstraße. Der Immobilienhandel war ein weiteres geschäftliches Standbein. In der örtlichen Sparkasse war er Kurator, eine Art Aufsichtsrat und wusste diese Funktion auch für sich zu nutzen. Wie seine Vorfahren war er auch im Gemeinderat vertreten.

Politisch war seine Heimat bei Georg Ritter von Schönerer und seinen Nachfahren: Die Hoffnung gedieh in Deutschland und der Antisemitismus war Teil des Weltbildes. Bereits 1928 war Josef Oser Mitglied der NSDAP.

In Erinnerung blieb jedoch seine Leidenschaft für die Kunst, die Begeisterung für das Stadtmuseum in Krems. Josef Oser dichtete, war ein begeisterter Schlaraffe und er hatte noch bevor die Kunsthistoriker Martin Johann Schmidt entdeckten seine Bilder gesammelt und besaß in den 1920er Jahren eine der größten privaten Sammlungen des Malers. Seine gotischen Madonnen, Engel und Heiligen bedeuten ihm so viel, dass er sie wie Familienmitglieder in einem handgeschriebenen Buch verewigte, sie beschrieb und schilderte, wie er sie gefunden hatte.

Das Büchlein „Altes Holz“ ist ein Unikat, ein Dokument einer Sammelleidenschaft, dessen Sprachduktus fasziniert.

Spätestens 1937 als Josef Oser in Konkurs ging, die Gründe werden in der Dokumentation „Die Kremser Buddenbrooks“ versucht zu klären, war seine Sammlung in alle Himmelsrichtung zerstreut, verkauft an Sammler und Privatpersonen.

Die Herausgabe des Büchleins „Altes Holz“ markiert auch den Beginn der Suche nach den Spuren der Kunstwerke und der Überprüfung, der von Oser angegebenen Hinweise.

Die bislang in Ansätzen rekonstruierten Beispiele für den Weg, den einzelne Kunstwerke aus der Sammlung Oser zurückgelegt haben, sind ein Anreiz nach weiteren Spuren der Gemälde und Figuren zu suchen. Diese website soll mithelfen, Spuren zu finden. Im Frühjahr wird das Büchlein „Altes Holz“ als Reprint erscheinen. Die umfangreiche Geschichte der Familie Oser „Die Kremser Buddenbrooks“ erscheinen im Frühjahr 2026 im Verlag Bibliothek der Provinz.

Wenn Sie die Suche nach der Sammlung Oser unterstützen, danke ich Ihnen herzlich.
Auf sachdienliche Hinweise freut sich: Robert Streibel (r.streibel@utanet.at)

Nr 1. Stehender Christus
Holzfigur mit altertümlichem großem Kopf, langem symmetrischen Haar und Barttracht. Der dünne Umhang flutet in vielen Falten um die Arme.
Die Figur ist kaum 60 cm hoch und 25 cm breit, ist aus Lindenholz, rückwärts ausgehöhlt, wurde um 1420 geschaffen, ist alpenländisch und stammt aus der Wachau.
Wo befindet sich diese Figur heute?

Nr. 2 & 3 Zwei christliche Jungfrauen
Standfiguren aus Birnbaumholz mit alter Bemalung 60 cm hoch und 20 cm breit. Von schöner alpenländische Art, beide um 1420 aus der österreichischen Donaugegend. Stammen aus der Burgkapelle von Wolfstein. Wurden Josef Oser von einem Tischler aus Mautern angeboten. Josef Oser entdeckt die beiden Figuren im Antiquitätenladen von Ettel Goldstaub in der Landesgerichtsstraße 10 in Wien und kauft sie.
Wo befinden sich diese Figuren heute?

Nr. 4 Christus von einem Kreuz
Figur aus Lindenholz 80 cm lang. Die Arme fehlen, ebenso Teil der Zehen. Rest aller Fassung an Lendentuch der weiße Kreidegrund. Der Körper ist lang und hager. Gute Schule, aus der Werkstatt eines alpenländischen Schnitzers, beeinflusst von Veit Stoss. Um 1480 aus Langenlois.
Einmal war dieser Christus an einem Kreuz. Einer hat ihn heruntergenommen, die Arme ausgerissen und ins Grab gelegt. Vor zwei Jahrhunderten vielleicht. 1923 ist er wieder auferstanden und wartet nun geduldig auf den nächsten Barbaren.
Wo befinden sich diese Figuren heute?

Nr. 5. Mutter Gottes
Romanisches Holzreliquiar um 1200, byzantinisch-deutsch. Die Figur ist aus Pappelholz und bis auf weniges ausgezeichnet erhalten.
Die Madonna gehört einem Typ der Hodegetria und stand bis 1923 in einer Stiegennische eines alten Patrizierhauses zu Stein an der Donau.
Wo befinden sich diese Figuren heute?

Nr. 6. Mutter Gottes
Würzburgisches um 1480. Lindenholz ohne Fassung. Kraftvolle Durchbildung tiefer Gewandfalten. Gebogene Hüften in der S-form der Gotik. Flaches Gesicht, voll Liebreiz. Ums Jahr 1495 fuhr sie über Regensburg nach Melk, dann auch Schloss Rittersdorf, wo sie dem Reformationsbrand knapp entging. Ein Bauer aus Rantzenbach hat die Figur gerettet und später an einen Holzschnitzer gegeben, der die Hände ergänzte und den Mantel blau färbte. Von diesem Holzschnitzer erwirbt Josef Oser die Figur.
Wo befindet sich diese Figur heute?

Nr. 7 St. Andreas um 1450
Vollendete Holzfigur 70 cm hoch, 30 cm breit. Gotisch, alte Fassung. Großer Kopf mit symmetrischem Haar und Bart. Altertümlicher Ausdruck, fast groteske Formen. Österreichische bäuerliche Arbeit um 1450. Aus Oberösterreich.
Josef Oser entdeckt diese Figur bei einem Trödler in Linz und erfährt, dass auf einem Dachboden in Schwertberg noch eine weitere Figur warte mitgenommen zu werden.
Wo befindet sich diese Figur heute?

Nr. 8 St.Florian
gotische Holzskulptur alte Fassung. Schlanke, elegante Haltung im Harnisch mit langem rotem Mantel über den Schultern. Reiches Ringelhaar unter dem Bart. Auf der Rückseite
ausgehöhlt. Die Hände fehlen. Unter tirolerischen Einfluss, österreichische Heimat. Um 1520 aus Loiben.
josef Oser hat diese Figur bei einem jüdischen Trödler in Stein a.d.Donau gekauft.
Wo befindet sich diese Figur heute?

Nr. 9 Christophorus
Holzfigur alte Fassung. Die rechte Hand des Christuskinds und ein Stück vom Bart des Heiligen fehlen. Das Unterkleid ist grün, der Mantel rote, tiefe Falten. Kopfhaar mit Bart gekräuselt. Bäuerlich, österreichische Spätgotik um 1500. Die Figur stammt aus Förthof bei Stein, erworben in Stein a. der Donau.
Wo befindet sich diese Figur heute?

Nr. 10. Betender Engel
Zwei seltene Engelknaben aus Lindenholz, alt bemalt, vergangenes Gold in den Falten. Sie stehen mit vorgehaltenen Armen, die Hände fehlen. Aus 1520 Klarissenkloster in Dürnstein. Einer der betenden Engel aus der Sammlung Oser befindet sich heute in der Sammlung Belvedere.

Nr. 10 Johannes der Täufer/ ohne Foto
Holzfigur 103 cm hoch in alter Fassung, alpenländisch unter tirolerisch pacherischem Einfluß.
Er ist ein Asket, ein Charakter, lange Jahre war er in der Wüste, trug härenes Fell, welde Locken einen langen Bart, ist schlecht genährt von den Wurzeln. Stand in der Kapelle eines alten Kaufmannhauses in der Oberen Landstraße Nr. 1 in Krems.
Wo befindet sich diese Figur heute?


Nr. 11 Die weiße Madonna
Vollfigur alpenländisch (salzburgisch) zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts, seltene weiße Mantelfassung mit aufgedrückten Stempeln gotischer Ornamente. Josef Oser kauft diese Figur von einem Mann, der sie ihm in Zeitungspapier eingewickelt bringt um 500,- Schilling.
Wo befindet sich diese Figur heute?

Nr. 12 Anna Selbtritt Bauernmadonna (ohne Foto)
Spätgotische, derbe Schnitzerei, bäuerlich um 1520, von einem Lehnerhofe in Weinzierl stammend, 66 cm hoch, 45 cm breit, alte Fassung, die Kinder eine Traube haltend.
Wo befindet sich diese Figur heute?

Nr. 13 Ein Engel (ohne Foto)
Salzburgisch 30 cm hoch, in alter Fassung, frühgotisch um 1420. Er ist zu zweit. Beide standen in einem Schaufenster, verkannt und missverstanden. Wir Unwissenden dachten an die „Concordia“.
Wo befindet sich diese Figur heute?

Nr. 14 Éine Madonna um 1400
Sie stand in einer Wegkapelle zu Marbach an der kleinen Krems. Einstmals in einer Kirche, dann vertrieben durch ein späteres Geschlecht, hinaus auf die Straße. Und doch hat ihre Schönheit und ihre Heiligkeit nichts verloren.
Wo befindet sich diese Figur heute?

Nr. 15 St. Leopold (ohne Foto)
Um 1500. Vollfigur, alte Fassung, gotisch eingegrabene Ornamente. Aus dem Waldviertel,
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Nr. 16 Die kleine Madonna
Spätgotische Holzfigur 40 cm hoch, österreichisch um 500. Alt vergoldet. Aus einem kleinen Wachauer Pfarrhof. Diese Figur hat Josef Oser gegen einen Sack Mehl eingetauscht.
Wo befindet sich diese Figur heute?

Nr. 17 Der wiedererstandene Christus
Dreihundert Schritt nordwärts außer Imbach über dem Straßengraben angelehnt an die Weingartenmauer stand ein uralter Crucifixus.

In Privatbesitz in Krems

Nr. 18 Eine kluge Jungfrau
Sie kam aus dem Alpenland ist stammverwandt mit den Krumauer Madonnen um 1400. Wie diese trägt auch sie ein dunkles Band im blonden Haar, ein vornehmes Gesicht und stolzes Lächeln. Wurde Josef Oser von einem Vermittlungsbureau angeboten, interessiert war auch ein anerkannter Historiker, der jedoch ohne die Jungfrau wieder nach Wien fahren musste.
Wo befindet sich diese Figur heute?

Die Martin Johann Schmidt Sammlung von Josef Oser

Neben den Holzfiguren hatte Josef Oser eine der größten Sammlungen von Werken von Martin Johann Schmidt (Kremser Schmidt). Bisher konnten folgende Bilder identifiziert werden.
Wenn Sie die Suche nach der Sammlung Oser unterstützen, danke ich Ihnen herzlich.
Auf sachdienliche Hinweise freut sich: Robert Streibel (r.streibel@utanet.at)

Stand der Recherche Dezember 2025

NameMaltechnikDatierungGröße in cmOrtErwähnung
Alexander bei den Frauen und Kindern des DariusÖlbild178085×64Krems (1)
Tod der VirginiaÖlbildKrems (1)
Rebekka am BrunnenÖlbild
Krems (1)
12 Ölbilder (Apostel aus Göttweig)ÖlbildKrems (1)
Venus und AmorKrems (1)
SelbstporträtPastell auf Pergamentverschollen
Allegorie des SommersÖl auf Kupfer19,5,x14,5Belvedere
Last Will and Testament/ Briefschreiber21×14unbekanntBo (2); Bu (3)
Peep-Show/ Guckkastenmann179622×15Privatbesitz/ KremsBo (2); Bu (3)
Tod der VirginiaFederzeichnungunbekannt
Ermordung CaesarsFederzeichnungunbekanntG-Th (4)
Der barmherzige SamariterFederzeichnungunbekanntG-Th (4)
Kreuzigung177392,6 x 70,2unbekanntG-Th (4), D (5)
Sokrates und Alkibiades178824 x 18,5unbekanntG-Th (4)
Tarquinius und Lucretiavor 178824 x 18,5unbekanntG-Th (4)
Jagdgesellschaft175436,5 x 44,5unbekanntG-Th (4)
Christus am Ölberg179040 x 50verkauft 2025 (8)G-Th (4)
Selbstporträt des Künstlers175455,5 x 43,3unbekanntG-Th (4)
Heilung eines KindesunbekanntAbb. ILZtg (6); G-Th (4)
Mann mit SägeunbekanntAbb. ILZtg (6); G-Th (4)
LiebestraumunbekanntAbb. ILZtg (6)
Beweinung ChristiunbekanntAbb. ILZtg (6)
Amors AusstattungunbekanntAbb. ILZtg (6)
Bacchantin mit Kind von Satyr belauschtÖlbild178680 x 63,5 cmunbekannt
Vermählung von Bacchus mit CeresÖlbild1776unbekanntWV 399, 537; Kinsky
Krönung Maria (7)SpätwerkunbekanntBu (3)
Hl Sebastian in Gold getauchtSpätwerkunbekannt
Bu (3)
Paris‘ UrteilSpätwerkunbekanntBu (3)
Der Heilige NikolausFederzeichnungunbekanntG-Th (4)
Juno betraut Argus Jo zu bewachenFederzeichnungunbekanntG-Th (4)
Stichfolge von Heiligen des BenediktinerordensunbekanntG-Th (4)
Familie Christi und des Täufers, Kartause AggsbachFüllungsbilderunbekanntG-Th (4)
KorbflechterunbekanntG-Th (4)
Junge BastdreherinunbekanntG-Th (4)
Folioheft von SchmidtunbekanntG-Th (4)
Hl. Erhard als Patron der KrankenFederzeichnungunbekanntG-Th (4)
Glorie des Hl. Johannes Nep.FederzeichnungunbekanntG-Th (4)
  1. Im Museum Krems seit 10.5.1935
  2. Versteigerung Bondy
  3. Artikel Ernst Buschbeck
  4. Gazarolli-Thurnlack
  5. Dworschak
  6. Illustrirte Leipziger Zeitung Nr. 3292
  7. beschrieben: goldbrauner Dunst der blaue Mantel der Jungfrau
  8. verkauft 2025: Kunsthandel Giese & Schweiger