Robert Streibel

Aktuelle Meldungen und Aktivitäten

Das Leben ist ein Projekt. Zwischen Historie und Literatur, zwischen Bildung und Politik, zwischen Heimat und Exil, zwischen Gedenken und Erinnern. Diese homepage öffnet Türen zu einigen Bereichen und bietet vielleicht auch die Möglichkeit eines Gedankenaustausches.


Flucht vor dem Tod

Die Hasenjagd überlebt
Jaroslav Hojdar, Übersetzung: Bernhard Riepl , Vorwort von Robert Streibel

Verlag Bibliothek der Provinz
ISBN: 978-3-99028-637-1
21 x 15 cm, 176 S., Kt., Hardcover; € 20,00

Útěk před smrtí, dt. Übers. von Bernhard Riepl. Hrsg. von Robert Streibel

Am 2. Februar 1945 sind aus dem Block 20 in Mauthausen rund 500 Gefangene, überwiegend sowjetische Offiziere, geflohen. Es handelte sich dabei um sogenannte K-Häftlinge. Gemäß des Kugel-Erlasses vom März 1944 sollten aus deutschen Kriegsgefangenenlagern entwichene Offiziere sowie ranghöhere Unteroffiziere nach ihrer Ergreifung getötet werden. Der Massenausbruch aus Mauthausen war der einzige in der Geschichte der NS-Terrorherrschaft.

In Jaroslav Hojdars Geschichte haben die Opfer Namen und viele eine Geschichte. Wie meint der grauhaarige Oberst vor dem Massenausbruch zu den versammelten Häftlingen: „Viele von uns werden ums Leben kommen. Es ist möglich, dass wir in diesem Kampf fast alle sterben. […] Jetzt nehmt voneinander Abschied und tauscht die Adressen der euch Nahestehenden aus.“


Das Vermächtnis der Eugenie, Robert Streibel (Hg.) –

Dieser Band versammelt erstmals alle Feuilletons der -großen Pädgogin Eugenie Schwarzwald (1872-1940).
Eugenie Schwarzwald hat eine Pädagogik der Praxis -gepflegt, sie hat im Wien um 1900 Schulen gegründet und war einer der ersten, die Mädchen die Voraussetzungen für ein Studium an der Universität ermöglichten. In einer Zeit, als in der Schule militärischer Drill und der Rohrstock -regierten, hat Sie ihre Schülerinnen und Schüler als Menschen gesehen. Sie hat Geld gesammelt, um Kinder während des Ersten Weltkrieges und danach aufs Land schicken zu können, sie hat Sommerheime gegründet, das Hotel “Seeblick” am Grundlsee als Erholungsheim für geistige Arbeiter betrieben, internationale Netzwerke gepflegt, Künstler und Künstlerinnen gefördert und unzählige Initiativen von Antialkoholikern bis zu Tierfreunden begründet.

Ihr Vermächtnis sind ihre Feuilletons, die sie zwischen 1908 und 1938 geschrieben hat. Mehr als 300 hat sie verfasst. Sie schrieb für die “Neue Freie Presse”, das “Neue Wiener Tagblatt”, die “Bühne” und die “Vossische Zeitung”. Diese Feuilletons sind ein Credo auf die Menschenliebe. Die kurzen Texte sind Miniaturen aus Wien, literarische Denkmäler für ihre Freunde und Bekannten und Berichte von ihren Reisen durch Europa.

Die Bedeutung, die “Fraudoktor” – wie sie liebevoll genannt wurde – in Wien bis zum Aufkommen der Nationalsozialisten gespielt hat, ist auch daran zu ermessen, dass sie auch als Vorlage für literarischen Figuren diente. Von Robert Musils “Diotima” im “Mann ohne Eigenschaften”, bis hin zu Frau Doktor Mania in Josef Weinhebers “Gold außer Kurs” u. a. m. reichen die Beispiele, die hier nachzulesen sind.

Eugenie Schwarzwald, (1872-1940) Pädagogin, -Sozialreformerin, Frauenrechtsaktivistin und eine Pionierin in der Mädchenbildung. Studierte in Zürich, lebte seit 1900 in Wien. Vor den Nazis floh sie in die Schweiz, wo sie 1940 verstarb.

Löcker Verlag, edition pen 72
12,5 x 20,5 cm | Broschur
Ca. 300 Seiten | € 24,80
ISBN 978-3-85409-878-2


Bora. Erzählung Louis Mahrer, kommentiert von Robert Streibel

„Ein Schlüsselwerk in der ungeschriebenen Geschichte antifaschistischer Literatur Österreichs” (Erich Hackl, Die Presse, 22.4.2017)

Die Erzählung „Bora“ von Louis Mahrer (herausgegeben und mit einem historischen Kommentar von Robert Streibel) schildert den Widerstandskampf von zwei Wehrmachtssoldaten in Serbien 1943/1944.

Diese Erzählung ist ein Novum der österreichischen Nachkriegsliteratur, da hier im Jahr 1946/47 zum ersten Mal der Widerstand von Österreichern gegen das NS-Regime in den Reihen der Wehrmacht am Balkan und das brutale Vorgehen gegen die Partisanen und die Bevölkerung dargestellt wird.

 ISBN: 978-3-99028-556-5
21 x 15 cm, 216 S., mit Abb.€ 24,00
Verlag Bibliothek der Provinz

Weitere Informationen: http://streibel.at/bora-widerstand-in-der-wehrmacht/


Michael Viebig, Leiter der Gedenkstätte Roter Ochse, Halle (Saale) über “April in Stein”

 

In meiner Gedenkstätte erhalte und kaufe ich jedes Jahr ziemlich viele Bücher. In den meisten liest man ein wenig herum oder benötigt diesen oder jenen Teil intensiver. Manchmal sind wichtige Fakten enthalten, manchmal werden relevante Sachverhalte gebraucht. Selten bis gar nicht liest man ein Buch zu Ende; es fehlt schlicht die Zeit dazu.

Dein Buch habe ich zu Ende gelesen, von vorne bis hinten, fast ohne Pause. Ich danke Dir für dieses Buch, es ist phantastisch. Wir Historiker denken ja immer, wir müssen ein Ereignis fast „ausforschen“, bis wir es endlich in Abhandlungen oder anderen wissenschaftlichen Formen veröffentlichen. Das nützt den nächsten Historikern und einer interessierten Öffentlichkeit; die breite Mehrheit erreicht man nicht. Ein Roman kann die breite Öffentlichkeit erreichen und ich hoffe, April in Stein findet viele, viele tausend Leser.

Das Buch macht sprachlos, wütend, traurig und das, obwohl unsereiner selber seit mehr als zwanzig Jahren an solchen Themen dran ist und denkt, es kann einen kaum mehr etwas erschüttern. Und dann liest man April in Stein.
Ich habe wichtige Details gefunden, die ich weitergebe (Verurteilte aus der Armia Krajowa, die mein Kollege Lars Skowronski für eine Ausstellung zum Reichskriegsgericht intensiv untersucht- S. 90 Deines Buches) und ich habe wichtige Einzelheiten über die körperliche Selbstbeherrschung verurteilter österreichischer Kommunisten gefunden, die ich jetzt des Öfteren in eigenen Vorträgen zitieren werde („… Kommunisten können sogar auf Befehl scheißen.“- S. 108).

Es ist aber die unvergleichliche Komposition der Personen und Ereignisse und ihr Wechselspiel, das es manchmal schwierig macht, den Überblick zu behalten und die doch auf wundersame Weise nie voneinander getrennt daher kommen. Ich beglückwünsche Dich zu der Eigenschaft, das beherrscht zu haben und damit zu diesem Buch.


Das Wertvollste meiner Jugendzeit

Christa Gierer erinnert sich an Louis Mahrer

Nun schreibe ich Ihnen dieses lange überlegte, immer wieder fallen gelassene mail doch, denn es wird mir immer deutlicher, welch großen Wert das von Ihnen herausgegeben Buch “Bora” von Louis Mahrer für mich hat.

Ich war von 1954-59 seine Schülerin in der Bundesgewerbeschule für Hochbau in Krems. Mein Vater, traumatisiert aus Krieg und Gefangenschaft heimgekehrt, flüchtete, lebensunfähig, wie er war, in den Aufbau eines Betonsteinwerkes und schickte mich ohne viel zu fragen dahin. Es war für mich die falscheste Schule, denn ich hatte für Technik keinen Sinn, war ganz der Literatur und dem Theater hingegeben und in dieser Situation stieß ich auf diesen wunderbaren Deutschprofessor.

Es entstand eine besondere Beziehung zwischen ihm und mir.  Als er mich nach einer Prüfung,  die ja mehr ein intensives, schönes Gespräch war, mit einer Aufgabe in der Bibliothek betraute, entstand im Hin und Her seiner Schlüssel – ein Vertrauensbeweis für mich –  ein Boden, den ich als den meinen erkannte, der aber durch das andere, mir fremde, das ich mir aneignen musste, verhindert wurde. Ich durfte über alles referieren, Colettes “Gigi”, die Kaiserin Elisabeth, Stefan Zweigs “Joseph Fouché”. Ich erinnere mich noch, wie er über Peter Altenberg sprach – Altenberg in einer Bauschule!  Einmal hatten wir eine Schularbeit, deren Thema die Atombombe war, ob wir uns bedroht fühlten oder so ähnlich. Ich hatte zu politischen Themen überhaupt keinen Zugang und wusste einfach nicht, was ich schreiben sollte. Am Ende der Stunde versuchte ich aufrichtig, meine Unfähigkeit zu erklären, es waren nur wenige Zeilen. Er schrieb darunter: “Ein wenig kurz, aber trotzdem sehr gut.”

Von einer Fahrt nach Südfrankreich, die “cité radieuse” von Le Corbusier zu besichtigen, ist mir der kleine Vortrag, den er uns am Vorabend hielt, deutlicher in Erinnerung als das Gebäude. Manchmal sagte er ganz private Sätze über seine Familie zu mir, beispielsweise welches seiner Kinder ihm und welches seiner Frau ähnelte – das fiel mir ein, als ich sie im Film sah. Ich war auch zum Kaffee eingeladen, konnte mich aber an seine Frau erst wieder durch das Foto im Buch erinnern.  Er verschaffte mir eine Nachhilfeschülerin in Mathematik und einmal sagte er zu mir “Sie hätten in ein humanistisches Gymnasium gehört”, mit einem so warmen Verständnis, dass ich es bis heute nachempfinden kann.

Es lag nahe, den Kontakt nach der Matura aufrecht zu halten, es lag an mir, dass es nicht geschehen ist. Der väterliche Betrieb wuchs rasant, ich war den Belastungen nicht gewachsen und ging weg. Ich ging nach Wien, versuchte zu schreiben und interessierte mich für Bewegung. Am hilfreichsten war mir eine Schule für geistige und körperliche Erziehung, geleitet übrigens von einer Schwarzwaldschülerin. Susanne Schmida studierte Philosophie bei Robert Reininger und war eine der ersten Frauen, die in Österreich ein Doktorat erwarben.

In meinem Schreibtisch liegt ein kleiner Brief von Louis Mahrer, den er mir nach einem Klassentreffen, bei dem ich nicht anwesend war, geschrieben hat. Er richtete mir Grüße von den Klassenkameraden aus und meinte, dass mir Krems nicht ganz fremd werden sollte. Er schrieb von Reisen, die er im Sommer machen wollte, erkundigte sich nach meiner literarischen Tätigkeit und dass er sich freuen würde, wenn ich ihn im Herbst besuchen würde. Er schrieb mir seine Telefonnummer auf und bat, ihn anzurufen. Ich tat es nicht. Ich konnte den Abgrund, der sich zwischen mir und Krems aufgetan hatte, nicht überbrücken. Es hat mich aber immer belastet, denn die Begegnung mit ihm war das Wertvollste meiner Jungendzeit. Den Brief habe ich aufgehoben, aber nicht mehr geöffnet und es war fast etwas von Erleichterung in mir, als ich von seinem Tod erfuhr. Er ist mit 1974 datiert. Damals habe ich an Reinhard Federmanns Literaturzeitschrift “Die Pestsäule” mitgearbeitet und Hugo Huppert hat mir seine Gedichte geschenkt mit aufwendigen, netten Widmungen – wie seltsam das alles ist.

Nun, nach der Lektüre seines Buches, durch die ich den Menschen Louis Mahrer kennenlernte, von seinem “geborgten Leben” erfuhr und nach Ansehen des Films habe ich mich zusammen genommen und den Brief wieder gelesen. Nach und nach stellte sich das Gefühl einer neuen Begegnung ein. In seinem Arbeitsjournal, das mich tief berührt hat, schreibt er von der Notwendigkeit einer praktischen Lebenslehre, einer Rückkehr zur Natur wahren Menschentums und genau das habe ich zu meinem Beruf gemacht.

Ich hätte das Institut von Susanne Schmida übernehmen können, aber ich suchte nach ihrem Tod nach einer Ergänzung. Durch einen Vortrag eines Arztes erfuhr ich von dem Bewegungswissenschaftler Max Thun-Hohenstein. Hin- und hergerissen zwischen Literatur und Bewegung interessierte ich mich für seine Lehre mehr, weil ich ihn aus den Briefen von Karl Kraus an seine Geliebte Sidonie Nádherný kannte, wo dieser ihn als “gestörten Geistes” bezeichnet. Sie war seine Cousine, stand zu ihm, heiratete ihn sogar, kehrte jedoch zu Kraus zurück. Das Beziehungsgeflecht, das hier auftauchte, interessierte mich menschlich, wie bewegungswissenschaftlich gleichermaßen. Ich schrieb einen Artikel über ihn, den niemand veröffentlichen wollte, schrieb ihn mehrmals um und wurde gleichzeitig immer mehr von seiner Lehre gefesselt. Schließlich übernahm ich sie und gebe sie nun weiter. Ich schreibe auch über Bewegung und habe so meinen Ausdruck gefunden. György Sébestyen hat meine kleinen Artikel noch in der “Furche” gebracht, doch nach seinem Tod wurde das anders. Thun-Hohensteins Lehre wird heute, wie das Gestaltdenken generell, abgelehnt und undifferenziert in das “braune Eck” gestellt. Ich bin sicher, dass Louis Mahrer in ihr die von ihm gesuchte Rückkehr zum wahren Menschentum gesehen hätte und die Verwobenheit von praktischer Lebenslehre und Literatur hätte ihm gefallen. Die von Thun-Hohenstein, wie auch von Adolf Loos, gebrauchte Bezeichnung “Sozialaristokratie” käme seiner Vorstellung von Kommunismus nahe.

Die Begegnung mit Dr. Alois Mahrer war nicht nur das Wertvollste meiner Jugendzeit, sondern – das ist mir durch das Buch klar geworden –  gab sie mir so viel an Boden, an meinem Boden, dass es mir später möglich war, meine Identität wieder herzustellen, so wie sie mich nun stärkt, meinen Weg trotz aller Widerstände weiter zu gehen.


Peter Donner über Louis Mahrer

Der Schüler Peter Donner (Mitte) erinnert sich an seinen Lehrer Louis Mahrer

mit allen „Dummheiten“ Lehrern gegenüber -ob zurecht oder nicht- war auch ich ausgestattet.
Nur wenige Lehrer gab es in meiner Schullaufbahn, die davon ausgenommen waren…

Davon wiederum war Louis Mahrer – der uns von 1964-1968 in Deutsch u.Französisch unterrichtete – für mich der wichtigste Lehrer, der mich durch seinen ruhigen, aufgeschlossenen und immer wieder mit einem guten Schmäh paraten Unterricht in seinen Bann zog und ich glaub’ ich kann da im Namen aller meiner Mitschüler sprechen.

Ich lernte durch ihn mit Literatur umzugehen – welcher Lehrer hat damals Brecht intensiv vorgetragen…
Es war auch sehr faszinierend wenn Louis M. mit seinem Kofferplattenspieler daherkam und damit eine irre Spannung in die Klasse brachte…Dreigroschenoper, Faust, Romeo u.Julia gelesen von Klaus Kinski, dessen Stimme als Julia ich heute noch im Ohr hab… und das in einer „Bauschule“…

Es gab denk ich in der HTL niemand der nicht wusste dass Louis M. ein Kommunist war und es gab auch glaub ich niemand der ihn nicht trotzdem achtete, in einer Schule in der die Burschenschafter stark vertreten waren…Zeugnis eines großartigen Menschen…

Ich kann mich glücklich schätzen von ihm 5 Jahre lang in einem heiklen Alter unterrichtet und gebildet worden zu sein.

Und deshalb bin ich auch sehr sehr froh über die Wiederauflage seines wichtigen Romans *BORA*.

Maturafoto von Peter Donner:
Louis Mahrer 1 Reihe 4. von links, Peter Donner 2. Reihe 5.v.r

 


“Ich will die Sonne sehen”

Der Dokumentarfilm “Ich will die Sonne sehen” zum Buch “Bora” von Gerhard Pazderka und Robert Streibel.
Auf den Spuren der Geschichte von Louis Mahrer in Österreich und Serbien.(18:35 min)

Lesung aus dem Buch “Bora” an den Schauplätzen.
Provisorisches Wehrmachtsgefängnis in Vrnjačka Banja
Bahnhof in Kraljevo
Gedenkstätte für das Massaker in Kraljevo
Bahnhof in Trstenik
Möglicher Erschießungsort von Gerhard Chmiel in Vrnjačka Banja

Interviews mit: Wolfgang Mahrer, Eva Richter-Mahrer, Erich Hackl, Vojkan Trifunovic, Dragan Draskovic

Sprecher: Stefan Fleming, Musik: Wolfgang Seligo.
Rückfragen für Lesung: r.streibel@utanet.at

Die Recherche wurde aus MItteln des Österreichischen Nationalfonds unterstützt.


Bürgermeister Dr. Reinhard Resch eröffnet

Louis Mahrer: Ein Vorbild für uns Alle!
Bürgermeister Dr. Reinhard Resch, 28.4.2017
Galerie Kultur Mitte in Krems

Danke; dass ich heute als Bgm eröffnen darf. Was eröffnen?

Eine Präsentation mit Lesung  „70 Jahre nach Erstausgabe Louis Mahrer´s „BORA, mit Ausstellung & die Premiere: „Ich will die Sonne sehn“ – von Gerhard Pazderka“.

Klingt nach viel & lang, – ich werde mich auch selbst nicht kurz halten -; es wird intensiver, hochpolitischer Abend, ein zutiefst menschlicher Abend.

Als Bgm nehme ich Eröffnungen nicht leicht; noch dazu, wenn GR Kollege Mag. Wolfgang Mahrer, Sohn des Protagonisten– mich eingeladen hat; –

und die Erzählung BORA & Louis Mahrer ad personam von Dr. Robert Streibel mit einer großartigen Rezeption gewürdigt wurde. Also eine Herausforderung!

Wie habe ich mich genähert? Habe die Einladung genau gelesen, dann die Erzählung BORA, dann mit Menschen gesprochen, die Dr. Mahrer persönlich kannten; – als Lehrer, als Senior-Kollegen.

Und dabei bin ich bei der offiziellen Einladung gleich „hängengeblieben“, beim Wort „Widerstandskämpfer“. Dabei entstehen Bilder in meinem Kopf, Bilder von Guerilla, von Partisanenkampf, Freiheitskampf u.ä; – ich bin dabei zum persönlichen Schluss gekommen: Die Wort-Betonung liegt bei Louis Mahrer auf der ersten Silbe, bei „Widerstand“; nicht bei Kampf! Bei einem zutiefst ethisch motivierten Widerstand gegen das NS-Regime.

In der Erzählung BORA machen ja Alfred Kroneck (alter Ego von Louis Mahrer) und Gerhard Schmiel in einer Funk“aufklärungs“kompanie ihren Dienst. Da kam mir der Gedanke, dass ich mich der 4 Kant´schen Fragen bediene: – Immanuel Kant ist ja der größte „Aufklärer“ der Menschheitsgeschichte; – bediene mit Bezug zur Gegenwart, mit Bezug zu „heute“.

Die Kant´schen Fragen: Was kann ich wissen? – „Erkenntnis“. Was soll ich tun? – „Ethik“. Was darf ich hoffen? – „Religionsphilosophie“. Was ist der Mensch? – „Anthropologie“.

Was kann ich wissen?

  • In NS Ära glaubhaft, für mich nachvollziehbar, dass Viele „nicht wussten“, was im „Reich“ im nicht offiziellen Teil und im Konkreten passierte; oft sogar in unmittelbaren Umgebung;
  • Heute? Gibt es so viel an Wissen, & das so rasch, dass wir es gar nicht mehr „Behirnen“ können; dass wir gar nicht mehr in der Lage sind „echtes“ Wissen von Fake-News sicher zu unterscheiden.
  • Heute ist es offensichtlich: die Welt, Europa, auch Österreich; – WIR sind mitten drin, die Demokratie – wie sie uns bekannt ist – in Frage zu stellen; zu unterminieren, die Grundwerte einer Gesellschaft in Frage zu stellen, – dazu braucht es Feindbilder; wir sind dabei diese systematisch generieren; wir sind mitten drin unsere Gesellschaft zu spalten; – sie ist es schon!
  • Heute? „Nicht wissen“ ist heute kein glaubhaftes Argument!

Was soll ich tun?

Alois Mahrer hat es uns gezeigt. Hat Mut gezeigt. Wusste, was er zu tun hat.

  • Auch heute sollten wir wissen, was wir zu tun haben! Es ist ein Auftrag, Der Auftrag lautet: „Verantwortung“ übernehmen – jeder persönlich – in der Arbeit für den Erhalt von Frieden & Freiheit!“
  • Das heißt auch: Nicht „Wegschauen, Weghören“, nicht „neutral“ sein, nicht unwidersprochen lassen, wenn es um fundamentale Verletzungen von Grundfreiheiten & Menschenrechte geht!

 

Was darf ich hoffen?                        … sehr frei:

  • Wenn wir das alles tun, ist es meine, eine Hoffnung: Dass dies auch der jungen Generation, unseren Kindern auf ihrem Weg eine Richtschnur sein wird, – und ist. Wir sollten die Jugend stärken; – in ihrem Idealismus, in ihrer Offenheit & in ihrer Toleranz

 

Was ist der Mensch?    Wer ist der Mensch Dr. Mahrer?

  • Habe mit drei ehemaligen Schülern und eine „Jungkollegin“ – StR Mag. Anna Wegl ist am Tage seines (letztlich tödlichen) Herzinfarktes mit ihm gemeinsam zur Schule gegangen.
  • Die Wortspenden:

„Er unterrichtete Deutsch und Französisch; als Lehrer war Dr.Mahrer eine hoch geschätzte Persönlichkeit; er war besonnen, sanftmütig, ein (+) Mensch; ein wahrer Humanist; seine Frau war als Kommunistin aktiv; – er selbst in der Schule & auch „im freien, außerschulischen  Bereich/Umgang“ unpolitisch, er habe nie über den Krieg gesprochen; habe auch nie Kriegs-Erlebnisse erwähnt, er war „Pazifist“, und habe das friedliches Zusammenleben in den Mittelpunkt gestellt, war eine „tolle Persönlichkeit“.

ALLE Befragten gleichlautend: Wir haben gelernt für´s Leben!

 

  • Mahrer war MENSCH im besten Sinne!“
  • Er ist Vorbild für uns Alle!