Robert Streibel

Aktuelle Meldungen und Aktivitäten

Das Leben ist ein Projekt. Zwischen Historie und Literatur, zwischen Bildung und Politik, zwischen Heimat und Exil, zwischen Gedenken und Erinnern. Diese homepage öffnet Türen zu einigen Bereichen und bietet vielleicht auch die Möglichkeit eines Gedankenaustausches.


Alfred Monz im Lastkahn nach Passau

Alfred Monz R1-10-11Alfred Monz

Im Urteil des OLG Wien vom 5.2.1943 gegen Richard Kolar und andere wegen Hochverrat hat sich Alfred Monz wegen Vorbereitung zum Hochverrat schuldig gemacht durch Zahlung von Beiträgen für kommunistische Parteizwecke und Teilnahme an kommunistischen Versammlungen und einem Schulungsvortrag und Weitergabe von kommunistischen Flugschriften. Er wird dafür zu 9 Jahren Zuchthaus und 9 Jahren Ehrverlust verurteilt.

Alfred Monz  überlebt das Massaker und ist bei den Hunderten Häftlingen, die auf einem Lastkahn Richtung Passau verbracht werden.


386 – Stein am 6. April 1945

386Publikation von Robret Streibel und Gerald Buchas
aus dem Jahr 1995 aus Anlaß des 50. Jahrestages
des Massakers im Zuchthaus Stein.

Aus dem Inhalt
Aktion ,,386″ – ein Beitrag zu einer anderen Gedenkkultur
Gedenkaktion ,,386″ – Chronik und Texte
April in Stein: Ein ,,Journal Panorama”, gestaltet von Herbert Schaden
,,lch erzähle eine Ceschichte, die nicht meine ist”. Gespräch mit den Schauspielerlnnen
Kein Gedenken hinter Mauern – Nachbemerkung

Die Broschüre


Die letzte Totenehrung für Hitler am 6. Mai in Krems

Der Kampf_StreibelDas KZ Mauthausen war schon befreit, die Staatsregierung in Wien hatte bereits die Arbeit aufgenommen und in Krems ehrt die NSDAP Adolf Hitler am 6. Mai 1945. Die Trauerrede hielt Gauleiter Dr. Hugo Jury. Am Morgen des 8. Mai erscheint noch ein Artikel in der Zeitung “Der Kampf”. Um Mittag kapituliert die Deutsche Wehrmacht. Unglaublich. Mehr dazu heute in meinem Artikel in der Zeitung Die ZEIT 7. Mai 2015 “Der letzte Akt”

Die Ehrung fand beim Sappeur Denkmal im Stadtpark statt. Der Link zu diesem unglaublichen Dokument.


Lesen und überleben in Stein

Siegfried Köhl R1-14-15Siegfried Köhl ist 1913 geboren und arbeitete als Student bereits 1938 illegal für die KPÖ. Nach den Verhören durch die Gestapo auf dem Morzinplatz und der Elisabethpromenda wurde er in Berlin vom Volkgericht im Mai 1941 zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Er kam ins Zuchthaus Stein und arbeitete in der Bürstenbinderei. Er beschreibt seine Lektüre-Erfahrungen in Stein.

Während des Massakers versteckt er sich in einem Fass, überlebt das Morden und bleibt bis zur Befreiung im Keller des Zuchthauses.

“Und am 9., in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai ist der – ich bin an der Wand gelegen in einem Bett, hat mir auf die Hand geklopft der, der auf anderen Seite: “Wach auf!” dann höre ich jenseits der Donau mit Lautsprechern arbeiten, net wahr? “Soldaten, Offiziere, Unteroffiziere kapituliert! Waffen niederlegen. Weiterer Waffengebrauch ist strafbar. Der Krieg ist beendet.”

 

Interview mit Siegfried Köhl durch Robert Streibel, Schnitt des Tonbandinterviews durch Adelheid Seeberger im Rahmen eines Praktikums des JBBZ im März 2015.

 

 


Gerasimos Garnelis

Garnelis 1_Stein AusstellungGerasimos Garnelis ist einer von fast 400 Griechen, die im Zuchthaus Stein festgehalten werden. Er überlebt das Massaker auf dem Leichenhaufen. Schwer verwundet wartet er mit einigen Leidensgenossen schwer verwundet im Keller auf die Befreiung am 8. Mai. Einer, der mit ihm im Keller ausharrt, ist der Berliner Max Hoffmann.
Durch den Bürgerkrieg konnte er nicht in seine Heimat zurückkehren und lebt bis zu seinem Tod 1999 in Krems.

Am 12. April 2015 wird eine Gasse, die von der Justizanstalt zur Ringstraße führt nach ihm benannt.

 


Max Hoffmann

Max Hoffmann 4 R1-05-6Der Berliner Häftling Max Hoffmann erinnert sich an das Massaker im Zuchthaus Stein
am 6. April 1945.

“Auch ich kam mit 9 (neun) Schüssen auf den Leichenhaufen. Unterdessen wüteten die Mordbestien der SS weiter. Was sie noch lebend fanden, wurde von ihnen erschossen. Sie waren wie Raubtiere, die Blut gerochen hatten. Trotz des Befehles zum Feuereinstellen, machten sie noch Jagd auf Menschen, solange sie noch einen fanden. Dann erschossen sie die Häftlinge, die die Leichen zusammengetragen hatten.”

Das Interview führte Robert Streibel im September 1985.


April in Stein

Unbenannt-2„April in Stein“ erzählt vom (Über-)Leben im Zuchthaus, von Zwangsarbeit und politischem Widerstand, vor allem aber erstmals vom Massenmord in Krems.

Während der NS-Gewaltherrschaft war das Zuchthaus in Krems-Stein das größte der „Ostmark“. Hier wurden Regimegegner eingesperrt – Kommunisten und „Saboteure“, Widerständler aus Österreich und Osteuropa. Am 6. April 1945 öffnet der Gefängnisdirektor angesichts der vorrückenden Roten Armee die Tore der Haftanstalt, doch SS, SA und lokale Bevölkerung jagen und ermorden Hunderte politische Häftlinge in einem beispiellosen Massaker. Einigen gelingt die Flucht, einige überleben versteckt im Keller, und ihre Berichte bilden die Grundlage von Robert Streibels vielstimmigem Panorama.
Am 6. April 2015 ist der 70. Jahrestag des Häftlingsmassakers von Krems-Stein

Residenz Verlag 2015
264 Seiten
Format 125×205 Hardcover
EUR 22,90 / sFr 31,80
ISBN: 9783701716494
ISBN ebook: 9783701744992


Krems 1938 – 1945 eine Geschichte von Anpassung, Verrat und Widerstand

Cover Krems 1938Robert Streibel ist ein Sonderfall unter den Historikern, und ein Sonderfall auch unter den Geschichtspublizisten: akribisch genau in seinen Recherchen; originell in der Art, wie er seine Stoffe ergründet; unbeirrt in seiner Beständigkeit; leidenschaftlich in der Zuneigung zu den Verfolgten. Er reibt sich an der Geschichte, zeigt, wie gegenwärtig sie noch ist, und zwar so, dass diese Gegenwärtig anderen einleuchtet. Er ist also nicht nur Forscher und Chronist, sondern auch ein Geschichtsaktivist, der den Propagandisten des Vergessens und Verharmlosens heimleuchtet. Sein herausragendes, immens spannendes Werk über Krems in der Nazizeit ist zum Teil schon vor Jahren entstanden, hat aber nichts von seiner Aktualität eingebüßt.

In ihm steht der Satz: “Das Beispiel Krems zeigt, dass Erfolg in der Gedenkarbeit nur möglich ist, wenn man einen langen Atem besitzt.” Weil er diesen Atem hat, ist Robert Streibel einer der erfolgreichsten Gedenkarbeiter überhaupt. Auch einer der radikalsten, und von allen, die ich kenne, der am meisten vergnügliche. (Erich Hackl)

Verlag Bibliothek der Provinz 2014
ISBN: 978-3-99028-330-1
21 x 15 cm, 528 Seiten, 86 farb. Abb.
€ 29,00

 


Bürokratie & Beletage

streibel-cover3Ein Ringstraßenpalais zwischen »Arisierung« und spätem Recht

150 Jahre Ringstraße als Anlass, einen Blick auf die jüdische Geschichte der Prachtstraße zu werfen. Etwa ein Viertel der Bauten wurden entweder von jüdischen Architekten erbaut oder die Auftraggeber und Bewohner waren Juden.

Doch wie viel Geschichte verbirgt sich in einem Haus? Das Ringstraßenpalais Weihburggasse 30 erzählt Lokalgeschichte und wird zum Prisma für die Zeit seit 1868 in Österreich. Von Textil- und Lederhändlern, von Fabrikanten und Architekten, von Freimaurern zur Zeit der Weltausstellung 1873. Von »Arisierung« und Raub der gesamten Einrichtung der Beletage, von Rechtsanwälten und anderen Nutznießern des Nationalsozialismus. Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung entschied in diesem Palais über den Einsatz von Fremdarbeitern und lenkten die »Arbeitsschlacht« für den Krieg. Nach der Befreiung 1945 arbeiteten hier die MitarbeiterInnen des Arbeitsamtes für den Wiederaufbau. Nach neun Jahren Rechtsstreit stimmten die Erben 1957 entmutigt einem für die Republik günstigen Vergleich zu.

Erst im Jahr 2003 wurde das Palais an die Erben restituiert, der erste Fall von Naturalrestitution in Österreich. Dass der neue Besitzer (und kein Angehöriger der Vertriebenen) mit der Renovierung des Hauses auch den Auftrag erteilt hat, die gesamte Geschichte zu erforschen und zu dokumentieren, ist für Wien eine Art Premiere.

 

PRESSESTIMMEN:
Hans-Werner Scheidl rezensiert ausführlich in der Tageszeitung “Die Presse” vom 07.03.2015. Titel: Weihburggasse 30: Ein Palais und seine schäbige “Restitution”.
STREIBEL, Robert
Bürokratie & Beletage
Ein Ringstraßenpalais zwischen »Arisierung« und spätem Recht
192 Seiten
Format 15×24
englische Broschur
19.90 €
ISBN: 978385476-464-9